Lauschtipp von Thomas Schleiken

      Lauschtipp von Thomas Schleiken

      Lauschtipp von Thomas Schleiken aus Rundbrief August 2017

      All Night Long von Junior Kimbrough (Fat
      Possum Records)


      Junior Kimbrough war Bluesmusiker und
      stammte aus einem kleinen Nest in der Nähe von Holly Springs im
      Nord Mississippi Hill Country. Als er 1998 verstarb, hatte er
      vier Alben auf dem Fat Possum Label veröffentlicht. "All Night
      Long" ist sein Erstling aus dem Jahr 1992. Und es ist
      gleichzeitig der Erstling des Labels. Mit dem Geburtsjahr 1930
      zählt er also zu den Spätberufenen, zumindest, was Aufnahmen
      betrifft. Doch ansonsten ist er alles andere, als ein Neuling
      des Blues gewesen. Wöchtntlich hat er House-Parties veranstaltet
      und über 30 Jahre lang seinen eigenen Juke Joint "Junior's
      Place" betrieben, bei dem auch die Rocker der nachfolgenden
      Generation gern zu Gast waren, wie beispielsweise die Bandmember
      der Stones oder später von U2. Kimbroughs Geschwister spielten
      oder sangen allesamt und er hatte außerordentlich berühmte
      Blues-Nachbarn, wie z. B. Fred McDowell und Eli Green. Manchmal
      hat sein Vater ihn als Junior mit zu einer Party genommen, damit
      er dort spiele. Eigentlich müsste man sagen, hat Junior
      Kimbrough den Blues schon immer gespielt.



      Auf diesem Album spielt er nicht die
      Akustikgitarre, sondern eine laut verstärkte elektrische
      Gitarre. Dennoch spielt er sie quasi im selben Stil, wie man
      eine Akustikgitarre zu spielen pflegt. Die 10 Songs des Albums
      strotzen vor Energie. Der Amp ist zur Endröhrenverzerrung
      aufgedreht (in der Lautstärke müsste man das Album eigentlich
      auch anhören). "Work Me Baby" macht den Anfang. "Baby Work
      Me..." beginnt er nach ein paar Eingangspattern
      hinauszuschmettern und man ist sofort bei seinem Gefühl. Es
      folgt "Do The Romp". Ja, er hat einen Chorus hinzugschaltet.
      Solche schrägen Effekte hört man immer mal wieder bei alten
      Bluesmen, die zur elektrischen Gitarre greifen. Bei "Stay All
      Night" hören wir dann auch die "Soul Blues Boys" Garry Burnside
      (Bass) und Kenny Malone (Drums), die lautstark und wie eine
      Dampfwalze stampfend das Gitarrenspiel und den Gesang des
      Meisters begleiten. Das ist Mississippi-Blues, wie er im Buche
      steht! Etwas getragener kommt "Meet Me In The City" daher,
      ebenfalls mit Band-Begleitung, wie auch bei "You Better Run".
      Bei "Done Got Old" hören wir Kimbrough wieder solo. "Ich bin alt
      geworden und kann nicht mehr die Dinge tun, die ich tun möchte.
      Ich bin ein alter Mann", so singt er hier und wir können erneut
      mitfühlen. Es folgt wieder ein Bandstück "All Night Long", bei
      dem Bass und Drums regelrecht zum Tanz einladen. Man kann sich
      bildlich die Juke Jonit Atmosphäre vorstellen, wenn ein Haufen
      verschwitzter Leiber zum Rhythmus tanzt. "I Feel Alright", das
      nächste Tanz-Stück ist der einzige Song, der auf Junior Parker
      zurückgeht. Alle anderen Stücke sind Junior Kimroughs Originals.
      Als vorletzte Nummer hören wir das energetische "Nobody But
      You". Wie auch bei den anderen Stücken finden wir zwischendurch
      Instrumentalparts, die die Gedanken des Zuhörers hinforttragen
      ins Nirvana. "Slow Lightning" bildet den Abschluss des Albums.

      "All Night Long" von Junior Kimbrough
      ist mein Lauschtipp für Euch in diesem Monat. Wer davon nicht
      genug bekommt, dem empfehle ich, anschließend noch die EP
      "Chulahoma" von den Black Keys zu hören. Hier huldigt die Band
      mit 7 Stücken ihrem Meister.

      BLIND LEMON RECORDS
      Thomas Schleiken
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      I Love The Life I Live, I Live The Life I Love (Muddy Waters)