Lauschtipp 99 v. Thomas Schleiken: North Mississippi Blues von Joe Callicott

      Lauschtipp 99 v. Thomas Schleiken: North Mississippi Blues von Joe Callicott

      Lauschtipp 99 von Thomas Schleiken: North Mississippi Blues von Joe Callicott

      Es sind nicht nur die
      alten Meister des Blues, denen wir bisweilen meine Aufmerksamkeit
      gilt. Es sind auch diejenigen, damals jungen, Männer, die in der
      Zeit des Blues-Rivival aufbrachen, um die alten Meister zu finden und mit
      Ihnen Aufnahmen zu machen. Einer von Ihnen ist der 1944 geborene
      George Mitchell. Der renomierte Bluesforscher, Photograph, Autor
      und Produzent lebt heute im schönen Fort Myers in Florida. Im
      Jahr 1967 machte er sich unter anderem auf in den Norden des
      Bundestaates Mississippi, um Joe Callicott ausfindig zu machen.
      Mitchell kannte die beiden bis dahin einzigen Solo-Aufnahmen von
      Callicott aus dem Jahr 1930 "Traveling Mama Blues" und "Fare The
      Well Blues". In Nesbit, dem Geburtsort von Callicott, wurde er
      fündig und traf auf einen erstaunten und sichtlich gut gelaunten
      67jährigen, der ihm alles erzählte, was Mitchell damals wissen
      wollte. Und dann griff er zur Gitarre und Mitchell zeichnete
      auf. Mitchell erinnert sich, dass Callicott sehr erfreut darüber
      war, dass sich wieder jemand für seine Musik interessiert. Und
      bevor der jeweils letzte Ton eines von ihm gespielten Stücks
      ausklang, kicherte er oft und sagte dann "That sound pretty
      good, don't it?"

      Zweimal suchte Mitchel Joe Callicott für Recordings auf, in den
      Jahren 1967 und 1968. Heute sind die Reordings in verschiedenen
      Zusammenstellungen zu hören. Die hier vorliegende Compilation "Joe Callicott- North
      Mississippi Blues", deren Cover-Photo ebenfalls von Michtell
      stammt, umfasst 10 Mitchell-Recordings und sowie die beiden
      Bluesstücke aus 1930. Bei allen Songs handelt es sich um
      Traditionals.

      Den Anfang der hier zu hörenden CD macht der "River Blues".
      Callicotts Stimme ist klar, etwas nasal und einfühlsam. Sein
      Bluespicking ist kräftig und melodisch. Erstaunlich frisch
      klingt die Aufnahme insgesamt. Schnell bemerkt man die Einflüsse
      von Garfield Akers und Frank Stokes, die Callicott auch als enge
      Freunde bezeichnete. "Uptown Blues" heißt die Nummer 2. Ein
      ebenso schöner Blues, in aller Ruhe gespielt. Es folgt "Let The
      Deal Go Down", ein Stück, das man am ehesten mit Robert Johnson
      verbindet. Doch das Picking, das hier zu hören ist, ist gänzlich
      verschieden und erinnert mehr an den Piedmont-Stil. "Good Time
      Blues" ist die Nummer 4, gefolgt von "Down To The River Jordan",
      einem schönen Gospel-Blues. Callicotts Stil darf in Gänze als
      melodisch und einfühlsam beschrieben werden, getragen von einem
      starken Rhythmus, den er vor allem mit dem Basslauf erzeugt und
      seinem Fuß. Callicott ist so ganz und gar nicht ein typischer
      Mississippi-Shouter. "Something Jus Keep A-Worryin' My Mind"
      folgt als nächstes und erneut ein Gospel, das allseits bekannte
      "When The Saints Go Marching In". Es ist erfrischend, Callicotts
      ganz eigenen Variationen in diesem Stück zu hören. "Goodbye Baby
      Blues" ist die Nummer 8, bevor erneut ein seinerzeit sehr
      beliebtes Stück zu hören ist, "Frankie And Albert", eine
      traurige Beziehungsballade. "Rolling And Tumbling" ist die
      Nummer 10, ein echter Mississippi-Klassiker. Natürlich hört man
      den Unterschied der letzten beiden Tracks "Traveling Mama Blues"
      und "Fare Thee Well Blues" sofort heraus. Doch gilt das
      eigentlich in erster Linie für die Aufnahmequalität. Denn bei
      diesen beiden Tracks handelt es sich um die 1930er Aufnahmen.
      Callicotts Stil ist der gleiche, wenn gleich die Stimme des
      jungen Callicott ungleich kräfiger daher kommt und das
      Gitarrenspiel ein wenig mehr Memphis geprägt zu sein scheint.

      "Joe Callicott - Nort Mississippi Blues" ist mein Lauschtipp für
      Euch im Oktober.

      Keepin' Blue Tunes alive, Euer

      Thomas Schleiken
      I Love The Life I Live, I Live The Life I Love (Muddy Waters)