Thomas Schleiken Lauschtipp 113 = Mick Kolossa

Lauschtipp: 113: BLIND LEMON SESSIONS (Endless Blues)


Hier in Deutschland ist gilt Mick Kolassa noch immer als Geheimtipp. Im letzten Jahr tourte er erstmals durch den Nordwesten Deutschlands und mit seiner Band beehrte er ein Festival im Herbst 2019 in Süddeutschland. Während seines Aufenthalts hier in Booholzberg im letzten Sommer konnte ich Mick davon überzeugen, ein paar Stunden hier im Hörwerk Tonstudio zu verbringen um akustische Einspielungen vorzunehmen. Die Session hat sehr viel Freude bereitet. Entstanden sind ein paar soloakustische Aufnahmen seiner Songs. Und damit war eine Idee geboren. Wieder zurück in Clarksdale wollte Mick das Repertoire im dortigen Studio vervollständigen und die Aufnahmen von einigen seiner musikalischen Mitstreiter, unter ihnen natürlich auch wieder Eric Hughes und David Dunavent, anreichern lassen. Unsere Idee: zwei Alben zu eröffentlichen, eines auf seinem Label Endless Blues mit dem Titel "BLIND LEMON SESSIONS", auf dem akustische Bandarrangements zu hören sind, deren Wurzel die Aufnahmen mit Blind Lemon Records in Bookholzberg sind. Und ein zweites Album mit soloakustischen Stücken, das im Herbst auf Blind Lemon Records erscheinen wird, mit dem Titel "ENDLESS BLUES". Wir fanden. Dazu kommt, dass es auf jedem Album ein paar Songs zu hören gibt, die auf dem jeweils anderen Album nicht zu hören sein werden. Nun hat er die Herbstzeit genutzt und die Aufnahmen auf seinem Label fertiggestellt. Soeben erschien das Album BLIND LEMON SESSIONS. Auf seiner Website hat Mick Kolassa die Entstehungsgeschichte des Albums sehr schön skizziert: https://endlessblues.com/mick-kolassa-blind-lemon-sessions/


Zu hören sind 12 Stücke, bei den Micks außergewöhnliche Stimme alles trägt. Seinen Stil nennt er selbst "Free Range Blues", womit er die Freiheit hat, auch Stücke aufzunehmen, die nicht originär im Blues verortet sind. So könnte man sagen, wir haben es hier mit einem "Americana"-Album zu tun.


Den Anfang macht "Mr. Jelly Roll Baker". Wir hören wunderbare Ergänzung durch Eric Hughes Harmonica. "Text Me Baby". Zu den Bookholzberger Aufnahmen gesellt sich ein Bass. Es geht weiter mit "Keep On Truckin' Mama", eine fröhlich daher kommende Nummer, bei er wir die Fiddel hören aber auch das Banjo. "I Want To Be Seduced" wird ebenfalls von Banjo und Fiddle begleitet. Die Nummer fünf ist "Mr. Right", bei der wir wieder Eric's Harmonica hören. Dann folgt "Bad Things", eine balladeske Nummer, die zu einem schönen Band-Stück geworden ist. "Cake Walk Into Town" ist die Nummer 7. Hier wird die Schlaggitarre ergänzt durch eine akustische Sologitarre, was heutzutage in dieser Weise selten zu hören ist. "St. James Infirmary" ist die Nummer 8. Die Fiddle erscheint als einer sehr stimmige Ergänzung zu den Aufnahmen. Eine lustige Nummer, auch bei den Konzerten ist "Ditty Wah Ditty". Man sollte meinen, dass dieser Song 'abgenudelt' ist, da ihn doch etliche Musiker in ihrem Repertoire haben. Aber nein, so ist es nicht. Mick's Nummer kommt mit ganz eigenem Charme und Augenzwinkern daher. Man sieht ihn förmlich im Studio sitzen und mit den Augen hinter der Brille zwinkern, während die Mundwinkel einladend lächeln. Diese Intepretation ist ein Mick-Song geworden. Die Nummer 10 ist "Recycle Me". Die Musik folgt der melodischen Countrytradition und der Song begegnet denen von Kris Kristofferson definitiv auf Augenhöhe. Der vorletzte Song "Help", der Beatles-Kassiker in einer wunderbaren solo-akustischen Version, bevor er mit "The Space Between Us" ebenfalls solo-akustisch belassend, das Album beschließt.


Mick Kolassa - BLIND LEMON RECORDINGS ist mein uneingeschränkter Lauschtipp für Euch im Januar (Thomas schleiken)

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