CD Double Trouble v. Otis Rush - Lauschtipp von Thomas Schleiken

4. Lauschtipp: 111: von Thomas Schleiken "Double Trouble" Live Cambridge 1973

Otis Rush war möglichweise der großartigste uner der neuen Generation von Chicago Bluesmen in der Mitte der 1950er Jahre. Diese Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1973 präsentieren Otis Rush in Bestform. Begleitet wird er hier von Ernest Gatewood (Bass), Little Bo (Tenor Sax) und Bob Richards (Drums). Dass auch noch ein Piano zur Band gehört, erschließt sich erst beim Zuhören. Im Booklet wird es schlicht unterschlagen. Die insgesamt 11 Stücke vermitteln ebenfalls einen Eindruck eines typischen Chicago-Blues-Konzerts, wie sie bis auf den heutigen Tag zu hören sind, ganz gleich, ob man dem in Chicago selbst beiwohnt oder irgendwo anders auf der Welt. Rush hat Musiker wie Santana, Luher Allison, Jimmy Page oder Stevie Ray Vaughan maßgeblich beeinflusst, die wiederum die nächste Generation beeinflusst hat. Wer einmal ein Konzert von Bernard Allison dieser Tage besucht oder besucht hat, der wird den Geist von Otis Rush in seiner Musik wiederentdecken können. Die Aufnahmequalität ist nicht die beste, mit den Maßstäben heutiger Möglichkeiten gemessen. Es ist doch ein hohes Maß an Grundrauschen erkennbr. Dafür, dass es sich um eine Live-Aufnahme einer elektrischen Band aus den 70er Jahren handelt, ist sie jedoch in Ordnung.


Mit fast acht Minuten Spielzeit ist das "Intro", zusammen mit "Watermelon Man" ein erdiger und typischer Chicago-Blues-Einstieg in ein Konzert. Aus 1967 stammt der Song "It Takes Time". Die Gitarrenklänge surren von Anfang an rotzig und lässig gleichermaßen dahin, bevor die Stimme von Otis Rush erklingt. Es folgt "I Cant Quit You Baby", eines der bekanntesten Stücke von Otis Rush. Ich selbst lernte diesen Song über das erste Album von Led Zeppelin kennen. Bei gut sechs Minuten Songlänge ist viel Platz für großartiges Solieren. "Keep On Loving Me Baby" heißt der nächste Song. Chicago Blues in Bestform. Die Band heizt ordentlich ein. Die Nummer fünf ist "Popcorn", ebenfalls ein Klassiker. Zusammen mit der Rhythmussektion hypnotisiert das Saxophon den Zuhörer und ebnet so den Boden für großartiges Solieren an der Gitarre. "Gambler's Blues" ist die Nummer sechs. Ein Slow-Blues, der viel Raum für ein briliantes Gitarrensolo liefert. Es folgt "Why I Sing The Blues". Wie könnte ein Statement für diese Musikgattung noch besser sein? "Please Love Me" ist dieNummer acht. Wenn man das Intro hört, weiß man, bei wem Stevie Ray Vaughan sich inspirieren ließ. Das gilt auch für "Double Trouble", die Nummer neun dieses Silberlings. "I Think It's Gonna Work Out Fine" hören wir als vorletztes Stück, bei dem Otis die Melodie spielt. Rose Maria McCoy hat diesen Song im Jahr 1962 für Ike und Tina Turner geschrieben. Der letzte Song ist "Please, Please, Please", ein stimmiger Abschluss-Song.

Otis Rush "Double Trouble" - Live Cambridge 1973 ist mein Lauschtipp für Euch im November.

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